Wann gibt es den Steuerbonus für Handwerkerleistungen?

Die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen in Höhe von 20 % der Arbeitskosten, höchstens 1.200,– € jährlich, erhalten Sie für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen in Ihrem Haushalt (§ 35a Abs. 3 EStG).

Nach BFH-Rechtsprechung sind Handwerkerleistungen nur begünstigt, wenn sie im räumlichen Bereich eines vorhandenen Haushalts erbracht werden. Deshalb gibt es keinen Steuerbonus für Handwerkerleistungen, die die Errichtung eines Haushalts – also einen Neubau – betreffen (BFH-Urteil vom 13.7.2011, VI R 61/10, BStBl. 2012 II S. 232). Die Finanzverwaltung gewährt deshalb für alle Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Errichtung eines Haushalts bis zu dessen Fertigstellung anfallen, keine Steuerermäßigung. Wann aber genau ist dieser Zeitpunkt erreicht, ab dem Handwerkerleistungen begünstigt sind? Diese Frage klärt derzeit der Bundesfinanzhof in einem hierzu anhängigen Verfahren.

Der Fall: Die Steuerzahler zogen in der Zeit vom 27. bis 29. März in ihr neu errichtetes Einfamilienhaus ein und meldeten sich am 31. März mit Hauptwohnsitz bei der Gemeinde an. Im Juni wurde der Außenputz angebracht, Einfahrt und Terrasse gepflastert, ein Zaun errichtet und ein Rollrasen verlegt. Für die hierfür angefallenen Lohnkosten beantragten sie die Steuerermäßigung. Das Finanzamt lehnte ab, da es sich um nicht begünstigte Neubaumaßnahmen handle.

Dagegen haben die Steuerzahler mit folgender Begründung geklagt: »Es liege eine Handwerkerleistung in einem Haushalt vor; denn das Gebäude sei bereits fertiggestellt gewesen, da es seiner Zweckbestimmung gemäß genutzt worden sei (vgl. H 7.4 EStH). Ein Haushalt sei begründet worden, da die wesentlichen Bauarbeiten des Gebäudes abgeschlossen gewesen und der Einzug stattgefunden habe. Die strittigen Leistungen hätten unwesentliche Restarbeiten betroffen. Ab der Haushaltsbegründung stünden weitere Handwerkerleistungen nicht mehr im Zusammenhang mit der Herstellung des Gebäudes.«

Doch bislang leider ohne Erfolg: Nach Auffassung des zuständigen Finanzgerichts wird eine Neubaumaßnahme nicht punktuell dadurch abgeschlossen, dass der Bauherr die Nutzung aufnimmt (Einzug in das Haus) und dadurch einen Haushalt begründet. Vielmehr sei in wertender Betrachtung zu prüfen, ob die jeweilige Maßnahme noch in engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit der Neuerrichtung des Gebäudes steht oder nicht. Nicht begünstigte Neubaumaßnahmen seien danach das Anbringen des Außenputzes als Teilleistung des Werkvertrags zur Errichtung des Einfamilienhauses sowie die erstmalige Erstellung von Außenanlagen in engem zeitlichen Zusammenhang mit dem Neubau (FG Berlin-Brandenburg vom 7.11.2017, 6 K 6199/16, EFG 2018 S. 219; Az. der Revision VI R 53/17). Abschließend entscheidet nun der Bundesfinanzhof.

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