Kredit umschulden – lohnt sich das?

Gastbeitrag von Sven Wilke

Dass man im Idealfall keinen Kredit aufnehmen sollte, wissen in Deutschland die meisten Menschen in der Theorie. In der Praxis sieht dies jedoch anders aus — hierzulande haben rund 15,8 % aller Menschen, die in der Schufa erfasst werden, einen laufenden Kredit. Doch Kredit ist nicht gleich Kredit, da er sich anhand der Flexibilität, Konditionen, Zinsen sowie dem Verwendungszweck unterscheidet. In vielen Fällen kann es sinnvoll sein, einen Kredit umzuschulden. Die Umschuldung funktioniert folgendermaßen: Sie nehmen ein neues Darlehen zu besseren Konditionen auf und zahlen den älteren (oder die älteren) frühzeitig ab. Anschließend zahlen Sie den neuen Kredit in gewöhnlichen Raten zurück.


Besonders in Zeiten der Niedrigzinsphase, die bereits seit einigen Jahren andauert, könnte es für Verbraucher bei einer Ablösung des Kredits ein erhebliches Sparpotenzial geben. Wir erklären Ihnen in diesem Beitrag, in welchen Situationen eine Umschuldung sinnvoll sein könnte und liefern Ihnen Tipps.

  1. Sie benötigen mehr finanziellen Spielraum – Wenn Sie Ihre monatliche Belastung reduzieren möchten, dann könnte sich der Umschuldungskredit mit seinen verschiedenen Effekten lohnen. Zum einen erhalten Sie bedingt durch das niedrige Zinsniveau einen günstigeren Kredit als vor einigen Jahren. Außerdem können Sie die Laufzeit des neuen Kredits selbst bestimmen. Wenn Sie den Kredit zum Beispiel verlängern, kann die monatliche Rate und somit die monatliche Belastung gesenkt werden, sofern dies nötig ist. Der Umschuldungskredit bietet Ihnen also die Möglichkeit, die Parameter des Darlehens neu zu definieren und Laufzeit sowie Summe an die eigene finanzielle Situation anzupassen.

  2. Sie verdienen jetzt mehr – Kredite sind sehr häufig bonitätsabhängig. Wer eine gute Bonität, sprich eine gute Zahlungsmoral, vorweisen kann, der erhält mit großer Wahrscheinlichkeit einen Kredit zu günstigen Konditionen. Wer nur über ein niedriges Gehalt verfügt, der bekommt für den Kredit nicht so niedrige Zinsen. Wenn Sie jetzt wesentlich mehr verdienen als in Zeiten der Kreditaufnahme und einen laufenden Kredit abzahlen, sollten Sie mit dem Gedanken spielen, den Kredit umzuschulden. Dies gilt besonders dann, wenn der Kredit noch für eine ganze Weile läuft.

Faustregel: Je höher die Restschuld und je länger die Laufzeit, desto mehr lohnt es sich, den Kredit umzuschulden.

  1. Kredit mit Restschuldversicherung abgeschlossen – Auch könnte sich eine Umschuldung lohnen, wenn Sie zum aktuellen Kredit eine Restschuldversicherung abgeschlossen haben. Die Versicherung ist eigentlich dazu da, um Ihre Familie im Todesfall abzusichern oder zu helfen, wenn Sie Ihren Job verlieren oder arbeitsunfähig sind. Leider gibt es in vielen Fällen Ausschlusskriterien und die Versicherung erhöht die Kosten für Ihren Kredit. Auch die Verbraucherzentrale warnt vor der Restschuldversicherung, die bei vielen Banken eine Zusatzoption ist, um am Kunden Geld zu verdienen.

  2. Sie überziehen häufig Ihr Konto – Kommt es vor, dass Sie einige Monate in Folge Ihr Girokonto überziehen? Wie Sie wahrscheinlich wissen, hat jedes Girokonto einen Dispositionsrahmen, den sein Eigentümer je nach Gehaltseingang eingeräumt bekommt. Dieser sogenannte Dispositionskredit ist zwar sehr flexibel und verlockend, aber auch sehr teuer – die Zinsen liegen für einen durchschnittlichen Dispositionskredit bei rund 10 % und somit deutlich höher als der durchschnittliche Konsumentenkredit. Nach Angaben der Bundesbank von Mai 2020 liegt der durchschnittliche Zinssatz bei einem Konsumentenkredit bei 5,93 %.


Nun schildern wir Ihnen kurz, wie Sie bei einer Umschuldung am besten vorgehen:

Im ersten Schritt ist es wichtig, dass Sie sich einen guten Überblick über die finanzielle Situation verschaffen. Stellen Sie sich dabei folgende Fragen:

  • Wie hoch ist die Restschuld?
  • Wie viel Geld muss ich leihen?
  • Wie hoch sind meine aktuellen Zinsen und wie wäre die jetzige Zinshöhe?
  • Möchte ich die Kreditlaufzeit verlängern oder beibehalten?

Anschließend geht es darum, Kredite zu vergleichen. Dafür haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie statten der Filialbank einen Besuch ab und erkundigen sich nach den Möglichkeiten, die Sie haben. Sinnvoller ist jedoch, Online-Vergleichsportale wie zum Beispiel Financer zu nutzen, um mehrere Kredite auf einmal zu vergleichen. So können Sie online und unkompliziert einen günstigen Kredit finden. Im Idealfall sind die Konditionen auch flexibel und Sie können eine Ratenpause einlegen und müssen keine Vorfälligskeitsentschädigung entrichten.

Im letzten Schritt müssen Sie eigentlich nur noch den neuen Kreditvertrag unterschreiben sowie das alte Darlehen abbezahlen und kündigen. Sie zahlen den neuen Kredit zu besseren Konditionen weiter und sparen sich damit, besonders über einen längeren Zeitraum, viel Geld.


Fazit

Wenn es möglich ist, auf eine Kreditaufnahme zu verzichten, sollten Sie natürlich versuchen, schuldenfrei zu bleiben. Wenn Sie schon einen laufenden Kredit haben, dann sind niedrige Zinsen sowie flexible Konditionen von großem Vorteil. Eine Kreditumschuldung lohnt nicht immer, kann aber sinnvoll sein, um alte oder Kredite mit hohen Zinsen abzulösen, einen ständigen Dispositionskredit zu vermeiden oder um sich mit einer verbesserten Bonität bessere Konditionen zu sichern.


Bevor Sie sich auf die Suche nach einem passenden Kreditgeber machen, empfehlen wir Ihnen, sich ein genaues Bild über die aktuelle finanzielle Situation zu verschaffen, um einen Kredit zu finden, der auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Die Filialbank oder auch Online-Vergleichsportale können Ihnen auf der Suche nach einem neuen Darlehen behilflich sein.

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